Die Bushmeat Crisis Task Force |
(„Buschfleisch” Kriseneinsatztruppe) |
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„Busch”-Tiere wie der beliebte Gorilla und der Afrikanische Elefant werden mit alarmierender Häufigkeit kommerziell und illegal gejagt. Die „International Union for the Conservation of Nature (IUCN)” (dt.: Int. Union für Umweltschutz) hat kürzlich bekannt gegeben, dass nahezu die Hälfte aller Primatspezies derzeit aufgrund des boomenden Buschfleischhandels vom Aussterben bedroht ist.
© Foto: BCTF/Andy Tobiason Während Entwicklung und Abholzung des Regenwaldes sowie Bevölkerungswachstum voranschreiten werden Wildtiere zunehmend für Nahrungszwecke und zusätzliches Einkommen ausgebeutet. Um diese kritische Situation zu bekämpfen, wurde die „Bushmeat Crisis Task Force (BCTF)” 1999 gegründet, um als Kollaborationscenter zwischen ihren Mitgliedern zu dienen. Mitglieder sind u. a. die „Conservation International”, die „Wildlife Conservation Society” , Die Afrikanische „Wildlife Foundation” und der „World Wildlife Fund”. Die BCTF Mitglieder arbeiten einzeln an Projekten, die sowohl menschliche Auswirkungen als auch die der Wildtiere aufgrund der Buschfleischkrise betreffen. Im BCTF arbeiten die Mitglieder zusammen, um Entscheidungsträger einzubinden, die Bildung und Training erleichtern sowie auch öffentliches Bewusstsein fördern. Heather E. Eves, Ph.D. und BCTF Direktorin, studiert und arbeitet seit 1985 in Afrika. Sie erklärt: „Die Buschfleischkrise ist ein unglückliches Beispiel dafür, dass Menschen nicht auf sehr wichtige Nachhaltigkeitswarnungen achten...nachhaltige Entwicklung kann nur so lange funktionieren, wie Bevölkerungswachstum und Größe mit der Produktionskapazität des Ökosystems harmonisieren.” Jedoch wird diese Warnung weltweit und besonders in Afrika nicht erhört, da die menschliche Bevölkerung explodiert und unmögliche Nachfrage auf die Schultern der weltweiten Ökosysteme gelegt wird. Eves zufolge hat die Zahl der Menschen in Afrika im letzten Jahrhundert um geschätzte 800 Prozent zugenommen, was zu Nahrungsknappheit führte. Aufgrund des Mangels wird der Buschfleischverbrauch und sein Handel genutzt, um essentielle tägliche Proteinbedarfe und Einkommen zu decken. Dies gelingt aber dennoch nicht. Alleine in Afrikas Kongobecken trägt Buschfleisch zu 80 Prozent des jeweiligen Haushaltproteinbedarfs bei. Forscher schätzen, dass die Menschen in Zentralafrikas Waldregionen jährlich das Äquivalent von fast 4 Millionen Tieren essen – ca. 1,1 Millionen Tonnen.
© iStockphoto.com/poco_bw Zentral- und Westafrika sowie Asien erfahren bereits weitreichendes lokales Aussterben. Eines der gefährdeten Tiere ist der kleine antilopenartige „duiker”, der 40 Prozent des zentralafrikanischen Buschfleischs ausmacht. Die BCTF warnt, dass bestimmte Spezies der „buiker” Familie innerhalb von 5 Jahren ausgerottet sein könnten. Tiere wie Primaten, insbesondere die Menschenaffen, sind besonders gefährdet aufgrund ihrer Körpergröße. BCTF Sprecher erklären, dass geschützte Gebiete signifikante Verkleinerungen der Populationen erfahren haben. Behörden warnen, dass außerhalb dieser geschützten Zonen diese Spezies voraussichtlich innerhalb von 10 bis 15 Jahren ausgerottet sind. Verschlimmernd kommt hinzu, dass gewisse Teile der Tiere aggressiv nachgefragt werden als Art Ausstellungsstück oder für alternative Medizinpraktiken. Manche Kulturen glauben noch immer, dass das Essen, Tragen oder Besitzen eines bestimmten Tierkörperteils Glück, Potenz, Reichtum oder Wohlstand bedeuten kann. Beispielsweise heißt es, dass der Sumatratiger (von dem weniger als 500 Stück existieren) denen Potenz bringt, die sein Fleisch konsumieren oder seine Klauen oder Zähne besitzen. Viele Spezies werden auch für Zwecke der exotischen Tiermärkte gefangen oder sie werden zum Vergnügen getötet. Leider ist auch der Handel mit Nilpferdelfenbein populärer geworden, trotz der Verringerung von Elefantenpopulationen und strengerer Gesetzesüberwachung in Bezug auf Wilderei. Die Buschfleischkrise wird auch noch vorangetrieben durch die vermehrte kommerzielle Abholzung in Gebieten, die zuvor risikofrei waren. Dadurch wurde ein Infrastrukturzugang zwischen Jägern und illegalen Wilderern zu Gemeinden und Konsumenten geschaffen. Zum Beispiel stellt das Kongobecken, das den drittgrößten Regenwald beherbergt, eine reichhaltige natürliche Ressource für Holzfäller und eine Fülle zuvor geschützter Wildtiere dar, die „abgeerntet” werden können. Die BCTF berichtet, dass Dörfer nahe einer Holzfällerstraße sechs Mal so viel Buschfleisch ernten können als Dörfer ohne Straßenzugang, da die Holztransporte oftmals illegal den Wilderern beim Abtransport von getöteten Tieren behilflich sind. Drahtfallen, die zum Fangen der Wildtiere genutzt werden, sind zudem ein gefährliches und oftmals verschwenderisches Werkzeug, um Buschfleisch zu „ernten”. Die BCTF berichtet, dass Fallenjäger manchmal ihre Fallen einen Monat lang nicht überprüfen und dadurch das Fleisch verkommt. Folglich können 94 Prozent der Tiere, die in Fallen gefangen werden, nicht abtransportiert werden. Eves merkt an, dass aufgrund dessen die Eingeborenen und ländlichen Menschen durch das kommerzielle Jagen und den Handel ihre Nahrungssicherheit verlieren, da sie bislang auf diese Wildtiere angewiesen waren. Dieser Zyklus wird im Gegenzug ihre Lebensweisen bzw. möglicherweise ihr Leben an sich bedrohen. Vermehrter weltweiter Buschfleischkonsum scheint auch mit tödlichen Krankheiten wie HIV / AIDS, Ebola und Maul- und Klauenseuche zu korrelieren. Das zunehmende Vordringen in abgelegene Waldgebiete durch vermehrten Kahlschlag setzt Menschen neuartigen Krankheiten aus. Dies, in Kombination mit erleichtertem globalem Reisen und Transport, erlaubt die ungehinderte Ausbreitung der Krankheiten. Eves stellt einen weiteren wichtigen Punkt heraus: „Der Verlust von wilden Tiere ist nicht nur ein Problem für die menschliche Lebensweise; es geht auch um die ökologische Seite. Ohne die Präsenz einer Vielfalt und Dichte eingeborener Wildtiere, könnten viele Veränderungen der Vegetationsstrukturen und –Funktionen drohen. Die Langzeitauswirkungen werden jetzt bereits in den Regionen sichtbar, wo die Wildnis erschöpft wurde.” Viele Forscher belegen, dass der Verlust biologischer Vielfalt durch die Eingriffe der Menschen, weltweit nie zuvor dagewesene ökologische Katastrophen lostreten. (siehe auch „Biologische Vielfalt und Leben: Den Zusammenhang verstehen”) „Es besteht dramatische und unmittelbare Notwendigkeit dafür, dass man sich diesem Buschfleischproblem widmet und dabei zusammenarbeitet. Partnerschaften, insbesondere über Bereiche wie Umweltschutz, Entwicklung und Industrie hinweg, sind essentiell wichtig. Die Herausforderung dieser Krise betrifft alle Aspekte der modernen Gesellschaft – Gesundheit, Umwelt, Wirtschaft, Politik und kulturelle Herkunft. Innovative Lösungen in Gebieten wo langjährige Beziehungen, die auf Vertrauen beruhen, bestehen, haben die größte Erfolgswahrscheinlichkeit. Diese Lösungen binden lokale Gemeinden, die Industrie sowie signifikante Entscheidungsträger über die Handelskette mit ein. Sie schaffen einen kombinierten Ansatz, der lokal angemessene Alternativen, Bewusstsein, Durchsetzung und Überwachung logisch miteinander verknüpft. Der Umweltberuf hat sich über die Jahre enorm entwickelt...er ist dabei, mehr zu erreichen, als nur die Verschlimmerung zu verlangsamen. Umweltschutzbemühungen haben nun das Potenzial nicht nur den derzeitigen Status der Wildtiere zu sichern, sondern auch die vorhandenen Landgebiete, Vielfalt und Dichte der Wildnis zu vergrößern”, sagt Eves.
© Foto: Janette Wallis Gemäß dem Direktor der BCTF stellt die Gewinnung von Engagement durch die stakeholder eines der größten Hindernisse dar. Die Krise erfährt relativ begrenzte Unterstützung zum Teil deswegen, weil so viele Parteien involviert sind – Bürger und Gemeinden, kommerzielle Jäger und Händler, Entwickler, Industrieführer und Umweltschützer. Eves’ Team arbeitet daran, dieses Problem durch organisatorische Kollaboration zu überbrücken, indem Informationen geteilt, Kapazitäten unter Afrikanischen Wildnisspezialisten aufgebaut, innovative Ideen hervorgebracht und das Öffentlichkeitsbewusstsein gestärkt werden. Zudem haben sie Kommunikationsmittel entwickelt, die es ermöglichen, mit anderen wichtigen Gruppen wie der „CITES Bushmeat Group” und der „Coalition Against Wildlife Trade” Informationen und Unterstützung auszutauschen. Die BCTF trägt durch Dritte geprüfte Forschungsergebnisse zusammen und erstellt Fakten, Bildungswerkzeuge und Ressourcen für Öffentlichkeitsbewusstsein, um die Öffentlichkeit über die Bedeutung der Lösungsfindung zu informieren, damit der Schutz der biologischen Vielfalt sichergestellt werden kann. Bildung und Training sind fundamentale Werkzeuge im Kampf gegen die Ausbeutung der Wildnis, da es dadurch möglich wird, das Gesetz effektiv zu überwachen, die geschützten Gebiete zu managen und nachhaltige Finanzierung und Entwicklung zu erreichen. Die BCTF hat hunderte Bildungsanfragen möglich gemacht und gemanagt, die von ökologischem Training in zentralafrikanischen Holzfällerkonzessionen bis zu Dozententraining in Tiergehegen in Louisville und Philadelphia reichen. Diese Mühen werden dank zahlreicher Menschen möglich, u. a. den Mitgliedern der BCTF, den Experten der „Association of Zoos and Aquariums (AZA)”, weltweiten Kollegen und sich sorgenden Freiwilligen.
© iStockphoto.com/Coenders Eves describes BCTF’s remarkable contributions within its first decade of service and offers insightful direction for the future: "The Bushmeat Crisis Task Force has shown what can result with even a limited amount of resources. Ten years ago the term ‘bushmeat’ was virtually unknown. Few media or scientific articles existed on the subject; almost no policies or appropriate legislation were in place, and few field projects dealt directly with the issue. Today the landscape is transformed with bushmeat becoming a leading focus of many conservation efforts in policy, media, legislation and the field. Building upon networks, knowledge and trust within this past decade is being strongly promoted at this time. The bushmeat issue is one of the most significant wildlife issues facing the global citizenry today. It can be resolved with a concerted, collaborative effort that engages alternatives, awareness and governance; but actions will be needed immediately on a much larger scale than is currently occurring." |
