Earth View |
Eine Zukunft für Amazonien |
| Von: Charles R. Clement and Adalberto Luis Val, Executive Director, Instituto Nacional de Pesquisas da Amazonia (INPA), Brasil |
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Der Amazonas Regenwald wird abgeholzt, um Nutzholz zu verkaufen und Sojabohnen und Fleisch zu produzieren, da es im derzeitigen politisch-ökonomischen Umfeld wirtschaftlich sinnvoll ist. Ironischerweise haben die ökologischen Vorteile des Waldes in diesem Prozess keinerlei Wert, obwohl sie notwendig sind, um ihn aufrecht zu erhalten. Das Herz dieses Systems ist Wirtschaftswachstum – je mehr desto besser – in Kombination mit dem unzertrennlichen Faktor des Bevölkerungswachstums. Dies stellt in der Tat eine „unbequeme Wahrheit” dar, wobei nur die Chinesen die Entschlossenheit hatten sie anzugehen. Kein demokratisch gewählter Führer hatte jemals den Mut, den Menschen zu erzählen, dass nicht jeder den „Amerikanischen Traum” leben kann und dass keiner mehr als ein Kind haben sollte. Als Jimmy Carter dies versuchte verlor er unmittelbar seine Chancen auf die Wiederwahl. Jedoch werden der Kohlenstoffmarkt und andere Handelsabkommen ohne Änderung fundamentaler Grundsätze keinerlei Einfluss haben, Emissionen durch Abholzung und Degradierung signifikant zu reduzieren. Warum? Weil sie nicht imstande sind, den Menschen, die momentan die Kettensägen bedienen, vernünftige Alternativmöglichkeiten zu bieten. Aufgrund des fehlenden politischen Willens, die zerstörerischen Auswirkungen zu diskutieren und hoher bzw. steigender Erwartungen, stellen „vernünftige Alternativmöglichkeiten” den Schlüssel zu diesem Problem dar. Wenn wir diese fundamentalen Dinge nicht adressieren, wird die Abholzung für die Produktion von mehr Sojabohnen und Fleisch weitergehen, um das unnachhaltig wachsende System zu ernähren, bis der Klimawandel die Landwirtschaft im Jahre 2080 komplett aus Amazonien vertrieben hat. Was können wir tun, um die Richtung zu ändern? Jede Abkehr vom derzeitigen polit-ökonomischen System hin zu einer konstanten Politikwirtschaft mit negativem Bevölkerungswachstum setzt die Inanspruchnahme der Amazonaswälder voraus, um die Rechnungen bezahlen zu können. Diese Nutzung muss allerdings professionell und rentabel sein und kann daher nur durch enorme Investitionen in Wissenschaft, Technologie, Innovation, Markterschließung und wirtschaftliche Infrastruktur erreicht werden. Letzteres wurde allgemein dafür beschuldigt, Abholzung und Degradierung beschleunigt zu haben; aber die wirklichen Gründe für Abholzung liegen bei Erschließungsentscheidungen, die auf „laissez-faire” Marktentscheidungen beruhen. Der Markt will Holz, Sojabohnen und Fleisch, aber er will für die ökologischen Dienste nicht bezahlen. Eine Umkehr weg von dem Trend, in dem es Marktvertretern erlaubt wird die Zukunft zu entscheiden, ist von Nöten.
© iStockphoto.com/melastmohican Amazonien wird bald die Hauptquelle für Tropenholz weltweit sein, weil asiatische Länder ihr Holz verbraucht haben und die meisten afrikanischen Länder noch zu unorganisiert sind. Jedoch sind die meisten Holzunternehmer in Amazonien Piraten, die hochwertiges Holz auf öffentlichem Land oder Land mit unklaren Besitzverhältnissen ernten und dieses dann billig auf nationalen Märkten verkaufen. Wenig davon kommt auf die internationalen Märkte. Daher wird die Restrukturierung des Holzsektors enormen politischen Willen sowie öffentliche und private Investitionen voraussetzen. Unternehmer und Waldarbeiter müssen in grundlegenden Praktiken geschult werden, wie Gesetzeseinhaltung, Forstwirtschaft und Waldmanagement, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing, um nördliche Märkte für zertifiziertes und hochwertiges Holz zu öffnen. Investitionen in Holztechnologie sind ebenso notwendig, um hunderte der noch unbekannten Spezies der Wälder zu identifizieren. Forstwirtschaft und Waldmanagement sind kritisch, da die traditionellen Managementalternativen von Amazonien wirtschaftlich nicht nachhaltig sind. Und auch wie anderswo ist hier eine angemessene Gesetzesstruktur notwendig, um Piraterie zu eliminieren und ehrlichen Unternehmern Spielregeln zu geben. Dank des Klimawandels wird nun auf Kohlenstoffsequestrierung und andere ökologische Dienste des Waldes geachtet. Die ersten Skizzen für Kohlenstoffhandel, die in den 1990ern entwickelt wurden, zeigen bisher noch keine messbaren Auswirkungen, was wahrscheinlich an der mangelnden Adressierung der fundamentalen Schwächen des polit-ökonomischen Systems liegt. Nichtsdestotrotz kommt ein neues Schema auf den Tisch: „Reduced Emissions from Deforestation and Degradation (REDD)” (dt.: Weniger Emissionen durch Abholzung und Degradierung). Es ist zu früh um zu sagen, ob diese Initiative einen messbaren Einfluss haben wird, insbesondere lokal gesehen, wo der Schlüssel zum Erfolg in „vernünftigen Alternativmöglichkeiten” liegt. Falls die Mittel von REDD für die Restrukturierung des Holzsektors investiert werden, könnten auch ohne unmittelbare Änderungen des polit-ökonomischen Systems Auswirkungen zu spüren sein. Jedoch wurde dies in Brasilien noch nicht diskutiert. Derzeitige Diskussionen beziehen sich auf die Nutzung der REDD Mittel für Umweltschutz, was zwar ehrenhaft und notwendig ist, jedoch ohne Adressierung der Systemfundamente unzureichend bleibt. Ökotourismus wird generell als Gewinn für beide Seiten angesehen. In den Entwicklungsländern ist es gut für die Besitzer, aber bietet für alle anderen lediglich Mindesteinkommen. Außerdem wird selten verstanden, dass Ökotourismus enorme Umweltschutzinvestitionen benötigt, da Ökotouristen keine abgeholzten Landschaften sehen wollen. Infrastrukturausweitung und Schulung der Mitarbeiter in Englisch sowie anderen Sprachen ist ebenfalls notwendig. Wenn REDD-Mittel für Umweltschutz verwendet würden, gäbe es für einige Nationalparks und andere Gebiete Hoffnung; jedoch werden diese zunehmend isoliert werden in einer Matrixlandschaft, die von Landwirtschaft dominiert wird, es sei denn der Nutzholzsektor wird ebenfalls restrukturiert. Waldprodukte nicht aus Holz (WNAH) sind auch zu beachten, da sie seit den 1990ern der Schatz des privaten und öffentlichen Umweltschutzes sind. Als Entwicklungsstrategie von Amazonien wurden sie aufgedeckt. Dennoch spielen sie weiterhin eine wichtige Rolle in traditionellen und eingeborenen Gemeinden in der Region. Enorme Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen, Markterschließung (da WNAH Nischenprodukte sind), Schulung und Infrastrukturentwicklung sind nötig, damit der Holzsektor die WNAH als wichtig und ergänzend empfindet. Hunderte, wenn nicht Tausende von ihnen werden dafür notwendig sein.
© iStockphoto.com/milehightraveler Die Goldmine Amazoniens wird oft in bioaktiven Substanzen und anderen biologischen Modellen gesehen. Lediglich Hinweise oder geringfügige Informationen sind vorhanden, um aus den meisten vermarktbare Produkte zu entwickeln, während andere gar komplett unbekannt sind. Es gibt jedoch keine Zweifel, dass in der Vielzahl der Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen, gewisse Substanzen existieren, die einzigartige Wege gefunden haben, um in dieser Umgebung zu wirken. Ein paar Substanzen, die es bereits gibt, haben unser Leben dramatisch verändert. Beispielsweise wird „Kurare”, ein Gift, das von Amazonas Indianern verwendet wird, in Krankenhäusern als Betäubungsmittel verwendet. Chinin, das aus Cinchona extrahiert wird, ist ein Mittel gegen Malaria. Wir haben durch eingeborene Amazonasbewohner von diesen Substanzen erfahren und ihr traditionelles Wissen hat immer noch vieles zu bieten. Wie bereits erwähnt sind jedoch enorme Investitionssummen in Forschung, Entwicklung und Schulung erforderlich, um neue Substanzen zu finden und neue biologische Modelle zu entwickeln. Wie Jared Diamond in „Collapse – How Societies Chose To Fail Or Succeed” (dt.: Kollaps – Wie Gesellschaften entschieden zu versagen oder zu gewinnen) herausstellt, sind Wälder für den Erfolg essentiell und Gesetze sind der Beginn für einen verantwortungsvollen Umgang mit ihnen. Obwohl die globale Gesellschaft nun erkennt, dass Erfolg von der Erhaltung tropischer Wälder abhängt, befinden sich diese Gebiete in Entwicklungsländern, wo zunehmende Bevölkerungszahlen ordentliche Lebensbedingungen brauchen. Und diese Gleichung wurde noch nicht zufriedenstellend erörtert. Ein kurzer Rückblick auf Entwicklungsoptionen zeigt, dass es Alternativen zur Abholzung gibt, aber dieser Rückblick zeigt auch, dass der Wald ohne einschneidende Veränderungen nationaler und internationaler Politik nicht bestehen bleibt. Ohne fundamentale Änderungen des globalen „laissez-faire” Systems ist es unwahrscheinlich, dass unsere Enkel den Amazonaswald noch zu Gesicht bekommen. Auf nationaler Ebene in Amazonien und auch global werden Politikentscheidungen und enorme Investitionen notwendig sein, um Ideen in durchführbare Entwicklungsoptionen zu transformieren. Nichts ist ohne die Unterstützung der internationalen Märkte und Entwicklungshilfe durch internationale wissenschaftliche und technologische Zusammenarbeit möglich. Wie das „Intergovernmental Panel for Climate Change (IPCC)” bereits erwähnte „ist die Zeit für Taten jetzt.” Die derzeitige Wirtschaftskrise bietet Möglichkeiten, um Entwicklung dahin umzuleiten, wo sie benötigt wird. Unsere Politiker müssen sich einigen und jetzt agieren.
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