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„Architecture for Humanity” (dt.: Architektur für die Menschlichkeit) |
| Von: Karen Scott |
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„Einen Dreck geben” ist eine wichtige Philosophie für das Design in einer Welt mit ökologischem und sozialem Tumult. „Design like You Give a Damn” (dt.: Tu so, als ob du einen Dreck gibst), ein Buch, das durch „Architecture for Humanity (AFH)” editiert wurde, einer gemeinnützigen Organisation, zeigt architektonische Antworten auf humanitäre Krisen auf. Diese Arbeit ist auf sozial bedachtes Design abgestimmt und präsentiert mehr als 80 zeitgenössische Lösungen für solch dringliche Notwendigkeiten wie einfache Unterkunft, Gesundheitsfürsorge, Bildung und Zugang zu sauberem Wasser, Energie und sanitären Anlagen. „Architecture for Humanity” wurde 1999 gestartet, als Co-Gründer Cameron Sinclair die Idee hatte, Architekten herauszufordern auf der Suche nach besseren Lösungen für Flüchtlinge, die nach dem Krieg in ihre zerstörten Häuser im Kosovo zurückkehrten.
© Foto:Gilliland & Tolila/Architecture for Humanity Die Herausforderung für AFH ermutigte so viele Designlösungen wie möglich, insbesondere von Architekten nahe der Kosovo Region, um die beste Option zur Lösung ihrer Unterkunftsprobleme zu schaffen. Der „Open Architecture Challenge” ist seitdem zu einem Mittel geworden, noch mehr Lösungen als Probleme zu sammeln und gibt gleichzeitig Architekten weltweit eine Möglichkeit, um auf große Bedürfnisse zu reagieren. Die Gemeinnützigkeit glaubt, dass „das physische Design unserer Zuhause, Nachbarschaften und Gemeinden jeden Aspekt unseres Lebens formt.”
© iStockphoto.com/guenterguni Eine Milliarde Menschen leben in elender Armut; vier Milliarden leben in zerbrechlichen aber dennoch wachsenden Wirtschaften; und einer aus sieben Menschen lebt in slumartigen Siedlungen oder Flüchtlingslagern. AFH ist nach folgendem Konzept aufgebaut: „wo Ressourcen und Expertise knapp sind, kann innovatives, nachhaltiges und kollaboratives Design den Unterschied machen.” Diese Pionierorganisation akzeptiert nur Projekte, die sich umweltfreundlichem Design verpflichten. Lokale Arbeitskräfte und Materialien werden wann immer möglich verwendet und manche Projekte beinhalten sogar grüne Elemente wie Solar- und Regenwasserspeicherung. Vorschläge werden basierend auf ihrer potenziellen Auswirkung auf die Anzahl der Begünstigten bewertet; und Vorzug wird Gebäuden gewährt, die den LEED Standards („Leadership in Energy and Environmental Design”) entsprechen. Nachhaltigkeit erstreckt sich nicht nur auf die Art, wie Gebäude gestaltet und konstruiert sind, sondern auch darauf, wie sie durch AFH gebaut werden. In Biloxi (U.S. Bundesstaat Mississippi), wo Hurrikan Katrina Häuser durch Wasserwälle auseinander gerissen hat, leben manche Menschen noch immer in winzigen, Ein-Zimmer-Anhängern der „Federal Emergency Management Agency (FEMA)”. Die gemeinnützige AFH hat den Menschen dort durch eine gewisse Zahl an kostenlosen Demohäusern geholfen, die auf Stelzen gebaut sind und gleichzeitig mehrere Besonderheiten beinhalten, sodass sie Hurrikanwinden widerstehen. Um das Mississippi-Programm zu starten, lud AFH Architekturfirmen ein, um Häuservorschläge zu entwerfen, die die Herausforderungen für eine Desasterentschärfung meistern. Alle AFH-Projekte müssen eine feste Partnerschaft mit lokalen Gemeindegruppen vorweisen, wie Vertreter für erschwingliche Wohnungen, Frauengruppen oder Essensausgaben; bevorzugt werden Projekten, die Beteiligung einer Vielzahl von Gemeindemitglieder vorweisen können und ihre Teams lokal zusammenstellen. Projektpartner müssen ihre Fähigkeit zur Sicherung einer Baustelle demonstrieren sowie den Erhalt von Eigentumsnachweisen. Vorschläge müssen weiterhin Notwendigkeit aufzeigen, Zugang zu Designservices haben und müssen eine starke Gesellschaftsdesignkomponente beinhalten, die zukünftige Bewohner in alle Phasen des Designprozesses einbindet. Außerdem werden solche Projekte bevorzugt, die zudem noch Design- und Konstruktionstraining für Gemeindemitglieder anbieten. Die 2008er AFH Challenge In 2008 war der Challenge in drei verschiedenen Gemeinden auf drei verschiedenen Kontinenten: Nepal, Kenia und Ecuador. Nepals Fernmedizincenter Projekt in einer der am wenigsten entwickelten Regionen des Landes, dem Accham Distrikt, ist besonders wichtig, da nur eine von 200 Geburten in einem Krankenhaus durchgeführt wird. Zudem verbreitet sich durch extreme Armut und nicht vorhandener medizinischer Versorgung die AIDS Epidemie. Ein Doktor ist für eine Viertel Millionen Menschen dort und im Doti Distrikt zuständig. Hierbei lag die Herausforderung darin, ländlich abgelegenen Familien Zugang zu medizinischer Versorgung von weltweit renommierten Ärzten und anderen Medizinexperten zu gewährleisten, indem dort eine Klinik mit Internetzugang gebaut werden sollte. Die zukünftige Einrichtung wird nachhaltige und / oder lokale Baumaterialien verwenden, sowie dortige Arbeitskräfte, wobei gleichzeitig auf die abgeschiedene Umgebung und die damit verbundenen Transportkosten geachtet werden muss. Erdbeben, Epidemien, Brände, Erd- und Geröllrutsche, Fluten, Hagelstürme, Blitz- und Donnerstürme sind Herausforderungen in diesem Gebiet. 40 Prozent der Klinikfläche wird als gemeinschaftlicher Computer- und Trainingsraum für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Die restlichen 60 Prozent sind für medizinische Dienste wie Geburts- und Krankenpflege-Training, fernmedizinischen Austausch und Röntgenauswertung durch Medizinexperten aus Übersee, Patientenvisiten und Büros für die Verwaltung von medizinischen Akten, sowie einen Vorratsbestellbereich für Pharmaprodukte. Die Fläche umfasst 0,8 Hektar und die Gesamteinrichtung beträgt 175 m², wobei mit einer Belegung von 40 Menschen gerechnet werden kann. Ein weiterer Aspekt der 2008er Challenge war die „50 bis 15” Initiative zur Bereitstellung von erschwinglichen Internetzugängen für die Hälfte der Weltbevölkerung bis 2015. Alle drei dieser Challenge-Projekte teilen diesen Aspekt, genau wie in Nairobi, Kenia mit SIDAREC („Slums Information Development & Resource Centers”). Diese Organisation hilft bei der Linderung von Armut in einem der größten Slums in Nairobi, das ein Viertel Million Menschen beherbergt. Der Plan beinhaltet auch die Umwandlung einer offenen Fläche in einen Ort, an den Menschen auf der Suche nach Bildung, Sicherheit, medizinischer Versorgung und Lebenskunde kommen können. SIDAREC erkennt deutlich, dass die heutige Jugend eine zum Großteil unangetastete Ressource darstellt, deren Zukunft davon abhängt, diese inhärenten Rechte zu besitzen. Der geplante Medienbereich und die Bibliothek der Organisation bietet einen Ort zur Unterrichtung im Computerumgang, inklusive Web- und Graphikdesign, wobei es zugleich Aufnahmeeinrichtungen für einen Jugendradiosender geben soll, sowie einen Ort zum Lesen, Spielen und Studieren. Und natürlich müssen Challenge-Teilnehmer nachhaltige und / oder lokale Baumaterialien sowie ansässige Arbeitskräfte verwenden, um ihre Konstrukte zu realisieren.
© iStockphoto.com/VikramRaghuvanshi In Ecuador ist eine Schokoladenfabrik, ein ungewöhnliches Projekt mit innovativen Lebenslösungen, zur Rettung des Regenwaldes geplant. Dort, innerhalb des Amazonasbeckens, wird die Kakaopflanze biologisch umgeben von Laubbäumen angebaut. Indem der dortigen Kallarni Vereinigung, eingeborenen Schokoladeherstellern und –Bauern, die Möglichkeit gegeben wird, ihr Unternehmen lukrativer zu gestalten, könnte sie idealerweise ihren Grund schützen. Als zusätzlicher Vorteil ist ihr Unterfangen nämlich gut für die Umwelt, da die Kakaopflanze nur an einem Ort mit großer Pflanzenvielfalt angepflanzt wird und daher biologische Vielfalt fördert. Nur 10-15 Prozent des Landes jeder Familie wird zum Saatanbau verwendet, während der Rest in seinem natürlichen Zustand verharrt. Die neue Fabrik wird die Produktion erhöhen und verbessern, was der Kallarni Vereinigung dazu verhilft, Schokolade an Industrieländer zu exportieren und durch den neugelegten Internetzugang ihre Vertriebskanäle auszuweiten und erwirtschaftete Gewinne zurück in die Dörfer zu bringen. Dieses selbsterhaltende Projekt wird von lokalen Menschen für lokale Menschen durchgeführt. Grund und Boden wird in Quito, der Hauptstadt Ecuadors, gekauft werden, wobei 6 oder 7 Hektar an eine Straße zu einer anderen recht großen Stadt namens Tenna angrenzen. Die Herausforderung besteht darin, einen Hauptkomplex mit Schokoladenproduktionsfabrik, Touristenbesuchszentrum und einem Modell / Prototyp für drei Satellitentechnologie-Hubs zu designen, die außerhalb in abgelegenen halbländlichen Dörfern aufgestellt werden. Die Kallarni Vereinigung verlangt, dass die Strukturen gemäß den LEED Gold Standards gestaltet und konstruiert werden, um Energie-, Wasser- und Ressourcennutzung zu reduzieren, was wiederum die Kosten für Instandhaltung und Produktion minimieren wird. Durch die beschränkte Finanzierung wird AFH jedoch daran gehindert, am eigentlichen Zertifizierungsprozess teilnehmen, sodass das Projekt weder eine LEED-Zertifizierung anstreben wird, noch ein LEED Gebäuderating erhält. Teil des letztjährigen AFH Challenge war Tansanias „Impuli Center of Excellence”, eine Gesundheitseinrichtung für medizinische Versorgung und zur Schaffung einer neuen Generation von Medizinexperten. Derzeit müssen die Dorfbewohner von Impuli noch zwei Kilometer im Ochsenkarren und dann per Fahrrad zurücklegen, um das nächste Hospital in der Hauptstadt Dar es Salaam zu erreichen. Wenn in der Regenzeit der Fluss allerdings Hochwasser trägt, ist es unmöglich ihn sicher zu überqueren. Dadurch wird die Sterberate im Dorf sogar durch einfache Beförderungsmittel hergestellt, was die Akzeptanz als AFH Kandidat leicht machte. In der Praxis werden Medizinzentrum, Schulungscenter und Sekundarschule durch lokale Arbeitskräfte und dort vorhandene Materialien errichtet. Außerdem werden erneuerbare Technologien für Solar- und Regenwassersammlung integriert. Gemeindeunterstützung über Landabtretung und Einkommensschaffung finden statt, um diesen Traum Realität werden zu lassen. Zudem können Menschen in der Umgebung sowie anderswo in Entwicklungsländern durch den freien Zugriff auf die Konstruktionsdokumente, Pläne und Gestaltung profitieren. Steigendes Engagement AFH nimmt nicht nur in der Anzahl der Designer zu, sondern auch in der Anzahl der Ortsverbände weltweit. Mehr als 2600 Designer treffen sich regelmäßig, um ihre Projekte zu diskutieren und an ihnen teilzunehmen. Mindestens 40 lokale Ortsverbände haben sich in Orten wie Auckland (Neuseeland) und den Vereinigten Staaten ergeben. Gruppen helfen in der Regel ihren Heimatstädten, aber nehmen auch anderswo Projekte an, wie beispielsweise der Ortsverband in Großbritannien, der mit einer Schule in Brewerville (Liberia) arbeitet. Lokale Ortsverbände nehmen viele Formen an, abhängig von ihrer Größe und ihrem Sitz, wobei jeder Verband autonom in seinen Projekten und Aktivitäten operiert. Die Liste von AFH’s Pionierprojekten und nach oben genannter Philosophie („Design like You Give a Damn”) fertig gestellter Projekte geht immer weiter, angefangen von Erdbebennotunterkünften in Afghanistan bis hin zu einem Kinderkarussell, das Wasser in einen Speicherturm pumpt (überdeckt von Gesundheits- und HIV / AIDS-Postern, sowie bezahlten Werbeplakaten um die Pumpe zu unterhalten). Humanitäre Bedürfnisse in der Welt werden weiterhin eine ungeschriebene To-Do Liste darstellen. Dank AFH’s offenem Architekturnetzwerk und Dank derer, die nach den nachhaltigsten Lösungen für die heutigen Herausforderungen streben, kann die Liste der gut gestalteten humanitären Lösungen die Welt sogar noch schneller transformieren.
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