Enteignung und die Vergewaltigung des ländlichen Amerika |
Teil 1 |
© iStockphoto.com/davidmartyn Judy Almquist ist eine pensionierte Bäuerin und Witwe mit festem Einkommen. Die geschätzten Erinnerungen ihres Lebens mit ihrem Mann und ihren Kindern sind genauso Teil ihres Herzens wie ihr ländliches Farmland in Virginia, das sie immer noch als ihr Zuhause bezeichnet. Während sie näher an ihr 70. Lebensjahr heranrückt denkt sie immer öfter an die Bedeutung dieses Vermächtnisses nach. „Ich habe hier nur 20 Hektar. Aber das habe ich; es ist alles was ich habe”, sagte Judy emotional. Trotz der Größe und dem Verkaufswert meint Judy immer noch selbstbewusst: „Das ist mein Land.” Die Landschaft – einen Teil will sie ihren Kindern hinterlassen – wird sich jedoch ändern, wenn „Allegheny Energy” und „Dominion Virginia Power” sich durchsetzen. Ihre geplante 500-kV Trans-Allegheny Interstaat Linie (TrAIL) wird sich von Südwest-Pennsylvania (37 Meilen), nach West Virginia (114 Meilen) und nach Nord-Virginia (28 Meilen) erstrecken und dabei mehr als 2800 Hektar begehrtes, bewaldetes Land in historischen Gebieten, Nationalwäldern, Parks, geschützten Wassereinzugsgebieten, Naturschutzgebieten und auch tausende Häuser von bäuerlichen Landbesitzern kahl schlagen. „Allegheny Energy” sagt, dass diese Hochspannungslinie „notwendig ist, um den Strombedarf in der Mittel-Atlantik Region zu decken.” 90% der Menschen in West Virginia, die Briefe an die West Virginia Service Kommission geschrieben haben, sind da anderer Meinung. Dieselbe Stimmung herrscht bei den Leuten in Pennsylvania, Virginia, New York und jedem anderen Staat in den USA, die sich derzeit vom neuesten Fehltritt des Kongress, der sich ”National Interest Electric Transmission Corridors” (NIETC) nennt, bedroht sehen. Als sie wegen ihrer Reaktion zu den geplanten Korridoren gefragt wurde, hatte Almquist in ihrer passionierten Stimme genug Worte übrig. „Es ist nicht fair. Es ist unamerikanisch!” Wenn die Regierung bewohntes Land durch Enteignung beschlagnahmt hat war das noch nie gut angekommen. Aber das für den Profit von selbstsüchtigen Energiefirmen zu machen ist definitiv nicht Teil der Grundpfeiler einer demokratischen Gesellschaft, besonders nicht in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dieses Verhalten wäre noch verständlich oder sogar verzeihlich, wenn es keine Alternative gäbe um Amerikas wachsende Energiesucht zu stillen. Aber es gibt andere Alternativen – und diese Alternativen sind gesünder, „grüner”, sauberer und kosteneffektiver.
© iStockphoto.com/ mountainberryphoto Was hier wirklich streitig ist, ist die vorläufige Markierung der NIETC durch das Energieministerium („Department of Energy (DOE)”), die als Folge des „Energy Policy Act of 2005” (EPACT 2005) durch den Kongress in Kraft trat. Die Kongressabgeordneten Frank Wolf und Maurice Hinchey haben fieberhaft daran gearbeitet, Unterstützung vom Kongress zu bekommen, um Sektion 1221 des EPACT 2005, der die Korridore betrifft, aufzuheben. Gemäß einem Statement vom 12. Juni 2007 von Wolf und Hinchey kommen diese Markierungen „... ’bald in eine Nachbarschaft in Ihrer Nähe.” Heute betreffen die vorläufigen Markierungen 11 Staaten, aber die nächste Serie betrifft alle oder Teile von 29 weiteren Staaten.” Offensichtlich belassen diese Markierungen dann nur noch 10 Staaten unberührt. Es besteht kein Zweifel, dass die Markierungen viel Wut entfachen. Das sollten sie auch, wenn man die Auswirkungen auf Hunderttausende und womöglich sogar Millionen amerikanischer Bürger in der ganzen Nation bedenkt. Es ist eine Sache, die Wirtschaftspolitiker, Stoff-Tragende Bauern, vorstädtische Familien und gepflegte CEOs von Energiefirmen mit einbezieht. An der Wurzel dieser kritischen Kontroverse stehen drei Hauptpunkte: privater Landbesitz, die Umwelt und die nationale Sicherheit. Das letztere ist ironischerweise ein Tor, das in beide Richtungen schwingt: DOE Minister Samuel Bodman meint die Korridore wären für die nationale Sicherheit notwendig; jedoch behaupten hochrangige Offizielle des Verteidigungsministeriums („Department of Defense (DOD)”) genau das Gegenteil. Sie sagen, dass das Militär nicht bei den Korridoren mitarbeiten wird. Erstens, weil diese ca. 60 Meter hohen, verbundenen Türme ein Leuchtsignal für Terrorattacken auf Amerikanischem Boden sind und zweitens, weil „sie nicht umweltfreundlich sind.” In den letzten Jahren scheint sich das DOD heimlich in eines der umweltfreundlichsten Ministerien in der U.S. Regierung entwickelt zu haben. Während Minister Bodman weiterhin ewig alte kohlegefeuerte, CO2-ausstoßende Energie fördert, werden vorwärts gehende Militärabteilungen, so wie die U.S. Air Force, zum Standard für eine grüne, saubere und erneuerbare Energiegeneration, indem sie funktionierende, umweltfreundliche und kosteneffektive Lösungen für die Energieunabhängigkeit und die nationale Sicherheit produzieren. Eine historische Perspektive: Eine verworrene Politik Am 26. April 2007 hat das U.S. Energieministerium, unter Regulierung des EPACT 2005, festgestellt, dass Energiekonsumenten speziell in den mittelatlantischen und westlichen Regionen der USA „nachteilig durch Einschränkungen in der Übertragungskapazität beeinflusst werden.” In einer der wenigen öffentlichen Anhörungen in Arlington, Virginia, im Mai 2007, haben DOE Abgeordnete angegeben, dass sie keine Methode als Lösung für dieses Energieproblem begrüßen, noch dulden werden. Diesen Abgeordneten zufolge ist die vorläufige Formulierung und Markierung der Korridore keine strikte Lösung in sich selbst; stattdessen dienen die Korridore nur der Definition der Umwelt und Größe dieses Problems und nicht der Erzwingung oder dem Vorschlag einer konkreten Lösung. Anstatt Lösungen vorzuschlagen überlässt das DOE die Problemlösung den betroffenen Staaten, der „Federal Energy Regulatory Commission (FERC)” und der Privatwirtschaft – insbesondere aus Rücksicht gegen die Hochspannungslinien im Mittelatlantik Korridor, „PJM Interconnections”, „Allegheny Energy” und „Dominion Virginia Power.” Die öffentlichen Servicekomitees von jedem Staat (Gouverneur-Beauftragte) haben nur vorläufige, staatliche Autorität, weil der Kongress die endgültige Autorität der Bundesregierung übergeben hat.
© iStockphoto.com/texasmary Als das DOE das „nationale Interesse” für erhöhte Energienachfrage untersuchte, sagte die Organisation, dass sie nie über die Wege der Energieproduktion nachgedacht haben. Die Abgeordneten sagten sogar, dass sie sich nur darauf konzentriert hätten, Interessenten zu finden um die energiesüchtigen Amerikaner, die hauptsächlich in dicht besiedelten Gebieten wie Washington D.C. und New York City leben, mit Energie zu versorgen. Das Problem bestand dann darin, dass gewinnorientierte Energiefirmen, wie „Allegheny Energy” und „Dominion Virginia Power” sich der Sache anschlossen; in manchen Fällen sogar fast ein Jahr bevor die vorläufigen Markierungen bekannt wurden – bevor die amerikanischen Bürger überhaupt von der Bedrohung wussten. Die Lösung der Energiefirmen ist die weitere Verbreitung und Nutzung einer veralteten Energieform, die mit veralteten kohlegefeuerten Kraftwerken, „schmutzige Kohle” genannt, erzeugt wird – der primäre Grund für menschlich induzierte Treibhausgase (THGs) und die größte Ursache für den globalen Klimawechsel. Interessanterweise stimmen diese DOE Sprecher mit Bodman überein, dass die NIETC für die „nationale Sicherheit” benötigt wird. Doch ein kürzlich veröffentlichter Report von 3- und 4-Sterne Generälen und Admirälen behauptet wieder mal etwas anderes. Für sie ist der globale Klimawechsel die größte Bedrohung für die nationale Sicherheit. Daher wäre diese Form von altertümlicher, CO2-produzierender Energieherstellung eher eine nationale Sicherheitsbedrohung, anstatt einer nationalen Sicherheitslösung. Das zukünftige Vertrauen auf „schmutzige Kohle” zur Energiegenerierung wird lediglich zu einer instabilen Zukunft führen, sowohl klimatechnisch, als auch sicherheitstechnisch. Im Mai 2007 hat das „Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)” Zahlen veröffentlicht, die von der Welt eine Reduzierung der Kohleemissionen und THGs bis 2015 erfordert. Die kohlegefeuerten Hochspannungslinien, die von „Allegheny Energy” und „Dominion Virginia Power” entwickelt werden und bis 2011 bereit sein sollen, hätten eine effektive Lebensdauer von 30-50 Jahren – ein offensichtlich verheerender Schritt zurück im Kampf gegen den globalen Klimawechsel, der eine deutliche, krasse und totale Vernachlässigung für das Wohl der Menschen bedeutet. Klimawechsel und Wasserknappheit Globaler Klimawechsel und seine vielfältigen Auswirkungen beeinflussen fast jeden Aspekt des Menschen-, Pflanzen- und Tierleben. Aber einer der nachteiligsten Folgen von globalem Klimawechsel wird sich in einer signifikanten Reduktion von Trinkwasser auswirken – einem offensichtlichen Überlebensaspekt. Experten meinen, wenn die Meeresspiegel weiter ansteigen werden Küstenregionen mit Salzwasser überflutet, das die momentan trinkbaren Grundwassersysteme zerstören würde. Diese Verwüstung hört allerdings nicht an der Ozeanküste auf. Der „U.S. Geological Survey (USGC)” sagt voraus, dass der Salzgehalt im Salzwasser „auf die kommunale Wasseraufnahme von Flüssen übergreifen wird”, wenn sich die Wasserspiegel weiter verändern. Dies wird zu einer Knappheit an Trinkwasser in vielen Teilen Amerikas und der Welt führen – die totale Verwüstung für die Menschheit. Enteignung und der Verlust der Staatsrechte: die Auswirkungen Auch wenn die Staaten, die von den geplanten Korridoren betroffen sind den kohlegefeuerten Hochspannungslinien nicht zustimmen, bleibt die endgültige Entscheidung trotzdem bei EPACT 2005 und der Bundesregierung anstatt der Staatsregierung. Diese Entscheidungsmacht, die der „Federal Energy Regulatory Commission (FERC)” durch den Kongress im Rahmen des EPACT 2005 zugesprochen wurde, wird üblicherweise als „Backstop Authority” bezeichnet, die es Energiefirmen, wie „Allegheny Energy” und „Dominion Virginia Power”, ermöglicht, die Verneinung eines solchen Hochspannungsnetzes durch die einzelnen Staaten anzufechten. Diese „Backstop Authority” ist ein neues Konzept, das zuvor noch nie verwendet wurde. Wenn es jedoch angewendet wird, garantiert es exzessives Eingreifen des Bundes in die Angelegenheiten der Staaten, insbesondere mit der Macht zur Enteignung und dem Recht die Autorität für das Anlegen von Hochspannungslinien an sich zu reißen – und das alles zum Vorteil von gewinnorientierten Energieunternehmen. Damit die „Backstop Authority” genutzt werden kann muss die fragliche Hochspannungsleitung mit einem speziellen nationalen Interessengebiet in Verbindung stehen. Sie kann dann verwendet werden, wenn der Staat innerhalb eines Jahres einen Vorschlag einer Energiefirma entweder abgelehnt oder ignoriert hat. Daher sind die vorläufigen Markierungen solch ein kritischer Punkt in dieser Kontroverse. Wenn einer der in Frage kommenden Staaten oder die FERC den Vorschlag annimmt, haben die Energiefirmen im Wesentlichen die Macht zur Enteignung, das heißt um privates Land für ihren Nutzen und Profit zu beschlagnahmen. Das betrifft Judy’s Besitz und den von hunderttausenden anderen Bauern und ländlichen Grundbesitzern. Genau diejenigen, die möglicherweise keinen Rückhalt haben, um ihr Land, ihre Familien und ihre Existenz zu retten. Die Gesundheit der Nation Wenn Enteignung die Rechte von privaten Landbesitzern verdrängt, dann wird Amerika einen verheerenden Schlag gegen seine Gesundheit erleben, weil die globale Erwärmung weitergeht und zu schlimmen Gesundheitsfolgen und mehr führt. In der unmittelbaren Zukunft werden diejenigen, die in der Nähe dieser Hochspannungslinien leben, unter großem Risiko stehen. Tatsächlich werden diejenigen mit Autoimmunkrankheit, Schrittmachern oder anderen biomedizinischen Apparaten nicht mehr in der Nähe dieser Regionen leben können. Wenn man das Alter und den Gesundheitszustand eines Durchschnittsbauern oder Landbesitzer bedenkt, wird das alleine Tausende von ihnen von ihrem eigenen Grund und Boden vertreiben. Neueste Studien aus Großbritannien haben auch Kindheitsleukämie in Verbindung mit Hochspannungsleitungen gebracht. Und die Weltgesundheitsorganisation hat solche Leitungen als mögliche Krebserreger eingestuft. Außerdem hat auch das Kalifornische „Department of Health Services” Gehirntumore, Leukämie und Fehlgeburten bei Erwachsenen in Zusammenhang mit ähnlichen Hochspannungsleitungen gebracht.
© iStockphoto.com/cglade Während die Gesundheit von höchstem Rang ist in Bezug auf die vorgeschlagene NIETC und diese anscheinend symbiotischen Hochspannungslinien, ist auch Amerikas natürliche Schönheit unter Attacke. Die geplanten Strommasten würden durch Privatbesitz, öffentliches Land und geschützte staatliche- und Bundes-Naturschutzgebiete verlaufen, in einer Höhe größer als die Freiheitsstatue auf Ellis Island. Die Türme sind auch so geplant, dass sie durch Schlachtfelder aus dem Bürgerkrieg, Wildparks, Nationalparks und Nationalwälder gehen – eine unnachhaltige Lösung, die die weiten, grünen Grasebenen und Wälder Amerikas zerstören würde – eine entsetzliche Tragödie für alle Amerikaner und für die Umwelt. Die Zerstörung des ländlichen Amerika Ein anderer Punkt der geplanten NIETC und der Stromleitungen betrifft den Verlust der Existenz und des Erbe, das so sehr mit den ländlichen Regionen Amerikas assoziiert wird. Viele potentiell betroffene Farmen und Landesteile sind seit Generationen in Familienbesitz. Für unzählige ländliche Amerikaner werden diese Korridore eine Lebensart zerstören, die schon seit der Gründung der Nation das Rückgrat Amerikas war. Außerdem würde es ihre Existenz als Bauern zerstören und die Bauernhöfe würden in vielen Fällen nicht mehr das Vieh und das Essen produzieren können, um die Nation zu ernähren, vorausgesetzt die Höfe stehen in der Nähe dieser Hochspannungslinien. Die Bauern, die derzeit mehr Energie benötigen könnten diese in Form von Niedrigspannungslinien, die mit sauberer, grüner und erneuerbarer Energie betrieben werden (z.B. Windmühlen), erlangen. Dies würde ihnen auch ermöglichen, näher an den Strommasten zu leben und die negativen Gesundheitsauswirkungen zu vermeiden. Und aus einer Marktperspektive würden Bodenpreise in der Region in die Tiefe stürzen und wirtschaftlichen Ruin für Zehntausende Familien bedeuten. Der Gutachter von Judy Almquists Grund und Boden meinte, dass ihr Besitz bis zu 80% des Originalwertes verlieren würde. Das ist eine bittere Pille für eine Amerikanische Frau, die den letzten Abschnitt ihres Lebens antritt, eine Familie aufgezogen und ihren Mann begraben hat und die immer an die Unverletzlichkeit ihrer grundlegenden Amerikanischen Rechte geglaubt hat. Das Vorzeigekind für Amerikas missglückte Energiepolitik Die NIETC und die Sektion 1221 des EPACT 2005 dienen als Antithese für die missglückte Energiepolitik Amerikas. Anfang Juni erklärte Präsident Bush, dass die führenden Beitragenden zur globalen Erwärmung, inklusive der Vereinigten Staaten, bis 2008 Lösungen zur Eingrenzung des Klimawechsels vorschlagen müssen. Die Bundesregierung unterstützt jedoch die Nutzung von veralteter, CO2 ausstoßender „schmutziger” kohlegefeuerter Energieerzeugung unverhältnismäßig weiter, anstatt auf saubere, grüne und erneuerbare Energie umzusteigen. Zur selben Zeit werden zwei der einfachsten und günstigsten Energielösungen, Nachfragemanagement und Aufklärung, praktisch ignoriert. Gemäß neuester Berichte im Magazin „ScienceNOW” haben die Kohlenstoffemissionen in den USA seit Januar 2001 um 10 Prozent zugenommen. Wenn die Hochspannungslinien bei der jetzigen Rate durchgesetzt werden, steigen diese Zahlen ungehindert weiter. Diese Vorgehensweise garantiert, dass die weltweiten Klimaprobleme nicht nur weitergehen, sondern signifikant zunehmen und Amerika und den Rest der Welt noch stärker gefährden. Wenn das weitergeht, werden Energienachfrage und Energieerzeugung Amerikas kleinste Probleme sein. |
