Kommentare des Herausgebers |
Der Preis der Trennung |
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Als Kind war das Leben für mich so viel einfacher. Die Menschen waren miteinander verbunden – nicht nur Familien, sondern auch Nachbarschaften, Schulen und Kirchen. Die Menschen mochten sich sogar und wünschten einander Gutes. Über die Jahre hat sich all das verändert: Paare lassen sich scheiden und Familien gehen auseinander, Nachbarschaften sterben aus und destruktive Elemente gewinnen an Einfluss, Schulen babysitten, anstatt zu inspirieren und Kirchen haben es schwer zu überleben. Ich bin nicht sicher wann sich das Leben änderte; es schien als passierte es an einem beliebigen Tag und die Welt erlitt einen schrecklichen Schlag.
© iStockphoto.com/Nikada Mein Mann, der auf einer Farm aufwuchs, denkt es liegt daran, dass Menschen nicht mehr voneinander abhängig sind. Bauernfamilien waren voneinander abhängig, um zu überleben. Daher mussten ihre Beziehungen funktionieren. Keiner musste nach Hilfe fragen; jeder sprang einfach für den anderen ein. Es war in ihrer DNA. Was ist mit uns passiert? Vielleicht brauchen wir uns nicht mehr gegenseitig und wir haben deshalb angefangen, uns von unseren Familien, unserer Nachbarschaft, unseren Schulen und Kirchen zu trennen. Und je unabhängiger wir wurden, desto mehr entfernten wir uns vom Lebensmittelpunkt. Wurde diese Trennung durch unsere erstaunlichen technologischen Fortschritte hervorgerufen? Oder schlich sie sich unter, als das Geld zum Wichtigsten wurde und alles andere zweitrangig war? Passierte es, als der Fernseher die Natur als Hauptunterhalter ersetzte? Oder vielleicht geschah es, als Gewalt zur Unterhaltung wurde. Egal weshalb, es ist Zeit sich im Leben wieder fundamental zu engagieren. Wir müssen anfangen uns wieder mehr umeinander und um die Welt zu sorgen. Koste es was es wolle, aber wir müssen wieder zurück finden, nicht nur individuell, sondern kollektiv – als Nation – um wieder unseren Selbstwert und unseren Glauben zu finden. „...wenn wir uns durch physische und mentale Hindernisse gewaltsam vom unerschöpflichen Leben der Natur trennen; wenn wir lediglich zu Menschen werden, nicht Menschen im Universum, dann erschaffen wir verblüffende Probleme; und indem wir die Quelle ihrer Lösung abschalten, versuchen wir verschiedenste künstliche Methoden, die alle ihre grenzenlosen Schwierigkeiten mit sich bringen...” „...der Mensch muss die Ganzheit seiner Existenz realisieren, seinen Platz in der Unendlichkeit; er muss wissen, dass er nie seinen eigenen Honig in den Waben seines Bienenstocks produzieren kann – egal wie sehr er sich bemüht – denn der ewige Vorrat seiner Lebensnahrung ist außerhalb dieser Mauern. Er muss wissen, dass wenn er sich von dem belebenden und reinigenden Gefühl der Unendlichkeit abgrenzt, er sich in den Wahnsinn treibt, er sich in Fetzen reißt und seine eigene Substanz auffrisst...Sein Reichtum ist nicht länger großmütig; er wächst lediglich verschwenderisch. Sein Appetit betreut sein Leben nicht und begrenzt seinen Zweck; er wird zu einem Ende in sich und entfacht ein Feuer in seinem Leben. Er spielt die Geige im grellen Licht des Brandes...Wenn das Bewusstsein des Menschen nur zur unmittelbaren Nähe des menschlichen Selbst beschränkt ist, finden die tieferen Wurzeln seiner Natur nicht ihre dauerhafte Erde und sein Geist ist ständig am Rande des Verhungerns und an Stelle gesunder Stärke ersetzt er Stimulation. Dann verpasst der Mensch seine innere Perspektive und misst seine Größe anhand der Menge und nicht anhand der Bindungen zur Unendlichkeit. Er bewertet seine Aktivität anhand der Bewegung und nicht anhand der Ruhe der Perfektion – die Ruhe, die im sternenklaren Himmel ist, im ewig rhythmischen Tanz der Kreation.” Geschrieben von Rabindranath Tagore in seinem Buch Sadhana: The Realisation of Life; MacMillan and Co., Limited; Calcutta, Bombay, Madras, London. 1920. |
