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Lektionen von Amerikas ersten Landverwaltern |
© Larry Workman Für die Indianischen Menschen der Quinault Nation im Staat Washington ist der Zedernbaum („Cedar tree”) der Baum des Lebens, weil er für jeden Aspekt ihres Lebens fundamental ist. Aus seinem Holz bauen die Quinault Häuser und Unterkünfte, sowie Kanus zum Fischen. Aus der Zedernrinde werden Kleider hergestellt und seine Wurzeln dienen zur Korbflechte. Und wiederum andere Teile des „Lebensbaumes” werden zu Kunstobjekten verarbeitet, die in religiösen Zeremonien verwendet werden. „Die Zeder wird mit Respekt behandelt”, erklärte Gary Morishima, ein technischer Berater für natürliche Ressourcen innerhalb der Indianischen Quinault Nation. Der Stamm stimmt seine Bedürfnisse mit denen des Waldes ab. Bevor sie Zedernrinde sammeln, fragen sie den Baum um Erlaubnis. Sie nehmen nur einen Teil der Rinde und lassen den Rest am Baum, sodass er überleben kann. Konstant und über Generationen hinweg haben die Quinault und andere Stämme auf den Amerikanischen Kontinenten die Wälder so behandelt, dass sie im Gleichgewicht mit der Welt existieren konnten. Cal Mukumoto, ein Berater für Forstmanagement, der seit Jahrzehnten mit Indianerstämmen arbeitet, glaubt, dass dieses Gleichgewicht von höchster Bedeutung ist und möglicherweise die Antwort auf eine Zukunft für ökologische Nachhaltigkeit. „Die Stämme verkörpern das gesamte Konzept der Nachhaltigkeit und was sie bedeutet”, sagte Mukumoto. „Die Stämme haben tatsächlich eine nachhaltige Sichtweise.”
© Larry Workman Manche Umweltschützer und –Aktivisten glauben, dass wahre Nachhaltigkeit nur durch Abwesenheit des Menschen möglich ist. Diese Ideologie kommt aus dem Glauben, dass die Natur sich selbst erhält und dass der Mensch nur zur Störung der natürlichen Ordnung dient. Jedoch waren die Wälder auf den Amerikanischen Kontinenten nie so unberührt, wie manch irregeführter Aktivist geglaubt haben mag. Die Indianer wissen dies aus erster Hand; immerhin ist es ihr Erbe. Gemäß Trudy Pinkham, einem Förster des Yakama Stammes in Washington, ist es unrealistisch und unlogisch zu erwarten, dass ein Wald sich selbst erhält. „Man kann einen Wald nicht erhalten, ohne dass man ihn unter eine Glaskuppel setzt”, sagte Pinkham. „Sich im Wald aufzuhalten, bedeutet eine Störung für den Wald. Meine Leute sind auf den Wald angewiesen, deswegen pflegen wir ihn sorgfältig.” Wenn die Indianer die nachhaltige Forstwirtschaft nicht schon Jahre vor den Europäischen Siedlern durchgeführt hätten, wären die heutigen Wälder vielleicht nicht so gesund und mächtig. „Manche Menschen handeln unter der Voraussetzung, dass das ursprüngliche Ökosystem vor den Europäischen Siedlern eine einzige riesige Wildnis war – ungepflegt und mit sehr wenigen Bewohnern. In der Realität war es jedoch sehr dicht besiedelter und genutzter Wald”, meinte John Vitello, ein Förster des Amtes für Indianische Angelegenheiten innerhalb des Innenministeriums. Vitello sagte, dass „Waldbrände gelegentlich in dem Ökosystem wüteten; und der Mensch, sowie andere natürlichen Ereignisse lösten diese Feuer aus. Was wir also in Nordamerika haben sind „Feuer-abhängige” Ökosysteme.” Wie Vitello erklärte, besteht ein „Feuer-abhängiges” Ökosystem aus Vegetation, die sich mit Feuer entwickelte. Beispielsweise wachsen auf der westlichen Hälfte der USA Ponderosa Kiefern in großer Zahl. Die Gesundheit dieser Kiefernwälder hängt vom Feuer ab. Weil die Ponderosa-Rinde ausgesprochen dick ist, säubern die gelegentlichen Brände den Wald von konkurrierendem Dickicht und feueranfälligen Baumarten (wie Tannen), ohne dass die Kiefern gefährdet werden. Dieser Prozess beseitigt auch die jungen Kiefern und lässt somit mehr Feuchtigkeit und Raum für die verbleibenden, überlebenden Kiefern. Eine Abwesenheit dieser Waldbrände wäre gegen die natürliche Ordnung. Ohne die häufigen Brände wachsen die Wälder zu dicht mit Büschen und feueranfälligen Spezies, die Wasserprobleme, Insektenbildung, Krankheiten und schließlich katastrophale Feuer verursachen, die dann auch die ausgewachsenen Kiefern zerstören. Die Ureinwohner haben nicht versucht, das Feuer zu verhindern. Wenn es die Umstände zuließen, nutzten sie das Feuer, um die Gesundheit des Waldes aufrecht zu erhalten. Heizmaterial wurde reduziert, Essen und Medizin, das für die Wildtiere und die Gemeinschaft wichtig war, wurde produziert und die Wälder blieben erhalten. Victoria Wesley stimmt mit Vitellos Sicht überein. Als Förster und Mitglied des San Carlos Apachen Stammes in Arizona ist sie mit „Feuer-abhängigen” Ökosystemen und den Ponderosa Kiefern vertraut. Über die Zeit hinweg wurden die Ponderosa Wälder des Stammes nicht durch Waldbrände kontrolliert, weil sie sich an die menschliche Pflege gewöhnt hatten. Folglich wuchsen die Kiefern zu dicht zusammen und niedrigere Vegetationsformen wucherten. Daher kehrte man in manchen Fällen zur Brandrodung zurück. Pinkham ist ebenfalls mit Feuer vertraut. Ohne das Feuer hätten die Yakama Menschen vielleicht nicht ihre üppigen Heidelbeerfelder und Bitterwurzpflanzen, die die Essgewohnheiten ihrer Anhänger seit hunderten von Jahren erhalten haben. John Waconda, ein regionaler Förster des Amtes für Indianische Angelegenheiten und Stammesmitglied des Isleta Pueblo in New Mexico stimmt zu; er erklärt:„Indianer versuchen sogar heute noch, traditionelle Forstwirtschaft zu befürworten und zu ermutigen, wie zum Beispiel die Verwendung von Brandrodung.”
© Larry Workman Da sich die Landschaft der Amerikanischen Kontinente verändert hat, (sogar für Indianer, die in Reservaten in ganz Amerika leben) hat sich die Abhängigkeit von Naturereignissen für das Forstmanagement ebenfalls geändert. Wie Waconda anmerkte, hat der Beginn von Haus– und privatem Landbesitz modernere Methoden für Landmanagement hervorgebracht, sodass man die vorhandene Infrastruktur nicht zerstört; Naturereignisse sind nicht immer eindämmbar oder kontrollierbar. Wie auch mit der Nutzung des Feuers, verwenden Stämme andere Methoden als die traditionellen. „Eins der wichtigsten Dinge, das uns leitet, ist das Konzept der Planung des Forstmanagements”, sagte Waconda. Aber für Wacondas Stamm und die anderen Stämme in Amerika, geht es bei der Planung nicht um Abholzung und Profite; im Gegenteil, es geht um einen umfassenden Ansatz mit dem man den Wald erhalten und von ihm profitieren kann. „Unsere Planungen sind sicherlich sehr verschieden von anderen öffentlichen und privaten Planungsprozessen und –Methoden”, sagte Waconda. Die Einzigartigkeit liegt in einer Mischung aus der Vorhersage von wirtschaftlicher Holznutzung, dem Verkauf von Nutzholz und anderen Waldprodukten und der Balance zwischen religiösen und kulturellen Elementen, die sich um den Wald drehen. „In der Indianischen Welt will man den Wald nicht nur zu kommerziellen Zwecken pflegen, sondern auch für den Erhalt ihrer Kultur. Deswegen gibt es kulturelle Pflanzenstoffe, Orte, die für Zeremonien verwendet werden oder Materialien, die zu Handwerk oder sonstigen Gebrauchsgegenständen verarbeitet werden und die in ihrem täglichen Leben gebraucht werden; es gibt auch traditionelle Gerichte aus dem Wald”, erklärt Bill Downes, Chefförster des Amtes für Indianische Angelegenheiten. Wie Pinkham erklärte, bedeuten die Wälder mehr als Holzprodukte, die für den Verkauf angefertigt werden; sie repräsentieren „Tipis” (indianisches Zelt) für Zeremonien und Unterkünfte für ihre Leute. „Für viele Nicht-Indianer gibt es da keinen Zusammenhang. Für sie sind es Dollarzahlen. Für mich ist es meine Kultur”, sagte Pinkham. Albert Bordeaux, Vorsitzender für Forstwirtschaft und Mitglied des Rosebud Sicangu Oyate Lakota Stammes arbeitet ebenfalls daran, um den Wald für seine Leute nutzen zu können. Als es Ende August war, kümmerte sich Bordeaux – ein Mann, der „mit” dem Wald lebt – um die jährliche Abholzung. Bevor irgendein Teil des Holzes verkauft wird, werden zunächst die Bedürfnisse des Stammes gedeckt. „Wir versuchen Häuser für die Obdachlosen zu bauen”, meinte Bordeaux. „Das Holz ist für die Menschen da. Wir versuchen unser Bestes mit dem was wir haben, ohne das wir verarmen.” Und indem sie dem Wald und den Menschen helfen, wird die Gemeinschaft gestärkt. „Die Wälder sind Teil der Stammesgemeinschaft”, meint Morishima. Von Wirtschaftlichkeit zu Feuerholz, von Medikamenten zu Essen, von spirituellen Methoden zu Kunst; der Erhalt und die Pflege von Indianischen Wäldern dreht sich nicht nur um die Wälder selbst. Es dreht sich um Leben.
© Larry Workman In Amerikas Vororten sagen die Bewohner oft, dass sie „im” Vorort oder „in” der Nachbarschaft leben. Aber die Indianer haben sich ihrem Land immer näher gefühlt – so nahe, dass sie sich mit ihm eins fühlen. Der Unterschied ist, dass sie anstatt „im” Wald, „mit” ihm wohnen. Waconda sieht den Wald „als integraler Teil unserer Existenz. Es gibt keine Distanz zwischen den Menschen und dem Land.” Pinkham teilt diese Philosophie und erklärt: „Unsere Leute glauben, dass dies ein Lebenszyklus ist; alles hat eine Bedeutung.” Daher haben sie seit Generationen „mit” dem Land gelebt; sie haben nie mehr als nötig genommen, sodass zukünftige Generationen auch davon profitieren können. Lange bevor Pinkham Förster ihres Stammes war, lernte sie eine wertvolle Lektion von einer Stammesältesten – ihrer Großmutter. Als sie und ihre Großmutter Bitterwurzeln, Karotten und Beeren pflückten, verspürte Pinkham den Drang, mehr zu nehmen, als sie benötigte. Ihre Großmutter erklärte ihr:„Wir nehmen nur soviel, wie wir brauchen”, sagte Pinkham. Immerhin mussten noch andere Leute in der Gemeinschaft gefüttert werden – mehr als nur die Familie Pinkham. Trotz der Betonung von Nachhaltigkeit haben die Indianer nicht nur aufgrund von Umweltschutz überlebt, sondern auch aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit. „Die Stämme waren Meister der Veränderung”, sagte Morishima. „Man kann die Zeit nicht anhalten; es ist wirklich eine anpassungsfreudige Einstellung.” Zum Beispiel als der Kiefernkäferbefall sich in den Wäldern des Yakama Stammes verbreitete, erkannten die Indianer den Grund des Problems. „Als der Ausbruch passierte”, sagte Morishima, „trafen sie Abhilfeschaffende Maßnahmen, um den Wald und das Land zu pflegen.” Dadurch zeigte das Yakama Reservat beispielhaft die wahrsten Prinzipien Indianischer Nachhaltigkeit. Konzepte, die sich an den Indianischen Nachhaltigkeitsmethoden orientieren, finden in der Praxis der Forstwirtschaft immer mehr Zuspruch. Downes glaubt, dass Indianische Wälder, aufgrund des traditionellen Wissens der Indianer „als Modell für öffentliche Landbesitzer und vielleicht sogar private Landbesitzer” dienen könnten. Don Motanic des ”Intertribal Timber Council (www.itcnet.org) stimmt zu: ”Stammesmethoden würden den Zielen eines privaten Landbesitzers genügen, falls er gedenkt, einen Wald für mehr als eine Generation zu verwalten.” Der Zustand der Existenz Wesley, eine Stammesfrau und Förster, hat ihre eigene einzigartige Perspektive. Sie sagte:„Ich habe nie außerhalb des Reservats (in Arizona) gelebt, also kann ich mich nicht damit identifizieren.” Für Wesley ist Forstmanagement und Respekt mehr als ein Prozess. Es geht um ihre eigentliche Existenz. Als sie geboren wurde, wurde Wesley auf dem Erdboden gerollt und ihre Nabelschnur wurde in der Wildnis vergraben – ein Prozess, der „eine Verbindung zwischen deinem Geist und der natürlichen Welt herstellt”, sagte sie. Und aus dieser Perspektive sieht Wesley die Forstwirtschaft von Indianerstämmen – nicht getrennt von den Menschen, sondern als Teil von ihnen. „Was immer du tust, es wird auf dich zurückkommen. Was du Mutter Erde antust, wird auf deinen Stamm zurückkommen”, sagte Wesley. „Manche denken, dass wir nicht Teil der natürlichen Welt sind. Aber wir sind alle mit diesem Planeten verbunden. „Mit” etwas zu leben ist ein Zustand der Existenz; so wurde ich aufgezogen.” Denken Sie darüber nach, wie die Erde und ihre Bewohner anders sein könnten, wenn wir alle so erzogen wären. |
