Kommentar des Herausgebers |
Der wahre Preis des Konsums |
|
An einem Tag, erst kürzlich, arbeitete ich in meinem Büro zuhause auf einem Hügel in West Virginia, als ich eine Eingebung oder einen „Glühbirnenmoment” hatte (dank Leah Cunningham’s Beitrag über Baia Mare, den ich gerade überarbeitete). Aus irgendeinem Grund hatte ich nie über die Auswirkungen von Goldminen auf die lokalen Menschen und ihre Gemeinden nachgedacht. Vielleicht weil ich die Konsequenzen nie wirklich verstanden hatte. Natürlich hat livebetter zwei Artikel in zwei verschiedenen Ausgaben behandelt, um die geplante Zyanid-Tagebaumine in Bristol Bay (Südwestalaska) hervorzuheben. Doch ich war offensichtlich zu sehr mit den potentiell desaströsen Umweltauswirkungen der Mine beschäftigt, als dass ich die schrecklichen Nebenwirkungen für die Menschen bedacht hätte. Ich hätte nie darüber nachgedacht zu protestieren, indem ich keinen Goldschmuck oder zumindest kein „schmutziges Gold” mehr kaufen würde, das das Produkt von unnachhaltiger Minenaktivität ist. „Earth Works” (www.earthworksaction.org) unterrichtet derzeit sowohl Konsumenten wie auch Schmuckhändler über die Verbindung zwischen dieser Art Tagebau und Umwelt–, sozialer Gerechtigkeits– und Menschenrechtsfragen (www.nodirtygold.org). Gemäß der U.S. Umweltschutzagentur „ist das so genannte „hardrock mining” die Nummer eins der Giftfreisetzer in den USA und hat 40% der Flussausläufer der Oberläufe der westlichen Wasserscheide verschmutzt.” Schlimm genug, dass wir die Vereinigten Staaten nicht einmal für unseren eigenen materiellen Vorteil verschmutzen. Der „U.S. Geological Survey” stellt dar, dass bis 2002 „neun der Top zehn produzierenden Goldminen in Amerika ausländischen Firmen angehören.”
© iStockphoto.com/hatric Tagebau ist umstrittenerweise ein wichtiger Industriezweig. Aber er ist definitiv nicht wichtiger als die Gesundheit und das Wohl der Menschen. Deswegen müssen wir die wahren Auswirkungen von dem verstehen was wir konsumieren und müssen zudem nachhaltigere Ansätze verlangen. Weniger zu unternehmen macht uns genauso schuldig für die Folgen. Schauen wir uns doch beispielsweise mal den Kohleabbau in den Appalachen an – insbesondere den Abbau auf dem Berggipfel. Jeder, der in West Virginia lebt, versteht vertrauterweise die ökologischen und sozialen Folgen von „Talaufschüttung”, die durch die schreckliche Methode geschieht, indem überschüssiges Gestein und Schmutz in nahe gelegene Flüsse abgeladen wird, nachdem ein Team den Gipfel eines wunderbaren Berges weggesprengt hat. Dieses Vorgehen zerstört nicht nur die Gewässer, sondern auch alles Leben darin. Menschen, die südlich von mir leben, ertragen diese tägliche Zerstörung damit Verbraucher in der Umgebung von Washington D.C. weiterhin „ihre Lichter anlassen können”, genau wie ihre Klimaanlagen, iPods, Videospiele. . . Zudem haben Leute in meiner Umgebung ihre eigene Wasserquelle – Quellwasser – die durch die Explosionen verkommen. Sie sehen sich sogar an wie dieses einst saubere, klare und pure Wasser in orange oder rötlich farbige Brühe übergeht und niemand auch nur annähernd davon trinken könnte. Denken Sie an die Kinder in Baia Mare und Rosia Montana. Dann denken Sie an die Kinder in den Appalachen und in anderen Teilen des Landes und der Welt. Ist materieller Unsinn es wert, Menschenleben zu zerstören? Manche „Dinge” benötigen wir jedoch tatsächlich. Dennoch mögen wir verwöhnt sein. Wir wissen alle, dass die meisten „Dinge” für ein gutes Leben nicht essentiell sind. Wenn wir 5-7 Tage die Woche 12-Stunden-Tage oder länger arbeiten und trotzdem jeden Pfennig umdrehen müssen, erleben wir irgendwann ein Leben so voller Stress, dass wir, wie mein Mann sagen würde, „uns seitlich bewegen” würden. Wir sehnen uns nicht nach mehr, wenn wir endlich mal ein bisschen Freizeit haben. Wir sehnen uns nach einer Möglichkeit, an einem friedlichen Ort zu sitzen und frische Luft zu atmen, in unseren Gärten zu arbeiten, im Wald spazieren zu gehen, die Falken und Adler zu beobachten wie sie über den Himmel gleiten oder in einem klaren See oder Fluss zu angeln. Wenn wir uns mit unserem Konsumverhalten nicht einigen, werden wir nichts Wertvolles mehr übrig haben – nicht für uns selbst, nicht für unsere Kinder und definitiv nicht für die Adler im Himmel oder die Fische in den Flüssen. Rosemarie Calvert Independence, WV |
