Building Smart |
Ein lebender Systemansatz für Design |
| Von: William G. Reed, AIA LEED AP, President, Integrative Design Collaborative |
© iStockphoto.com/emadrazo Nachhaltigkeit ist nicht lieferbar. Nachhaltigkeit ist nicht greifbar. Bei Nachhaltigkeit geht es nicht einfach nur um effiziente Technologien und Techniken. Es geht um Leben – ein Prozess, in dem lebende Dinge wie Wälder, Nachbarschaften, Menschen, Unternehmen, Pilze und Eisbären ihre Lebensfähigkeit auf lange Sicht sicherstellen. Es ist ein reziproker Prozess – ein Prozess, in dem lebende Dinge unterstützen und durch ein größeres Ganzes unterstützt werden. Das heißt, dass ein Gebäude nicht einfach hochleistungsfähig sein kann und gleichzeitig als nachhaltig eingestuft wird. Sich ein hochleistungsfähiges Gebäude vorzustellen ist wie die Vorstellung einer hochleistungsfähigen Leber. Sicherlich sind die Grenzen dieser Leber außerhalb des Körpers offensichtlich. Bei Gebäuden, Nachbarschaften und Städten ist das genauso. Gebäude können autonom sein, können aber nur bedeutsam und vorteilhaft werden, wenn sie als Teil der lebenden Struktur verstanden werden. Da wir von lebenden Systemen sprechen, ist es wichtig einen Unterschied herauszustellen: Leben entwickelt sich und ist nicht statisch; daher können wir nichts auf seinen „ursprünglichen Zustand” zurückstellen. Wenn wir von Restaurierung (eines Waldgebiets, einer Uferlandschaft, eines Feuchtgebiets) sprechen, reden wir über die Wiederherstellung der Systemkapazität, sich selbst zu organisieren und zu entwickeln. Regeneration handelt vom Gestalten der Restaurierung selbst – d.h. die Erdsysteme, die biotischen Systeme UND auch die Menschen an jedem einzigartigen Ort in einem kontinuierlichen Dialog der Wiederherstellung und evolutionären Entwicklung zu bemühen – ein Heilen des Ganzen. Regeneration bedeutet neues Leben und Energie an etwas zu geben. Fortwährendes Leben und Energie kann nur in einem Komplettsystem funktionieren. Diese Ideologie stellt nicht nur irgendein abgestuftes, intellektuelles Wunschdenken dar; das Entwickeln von Beziehungen zwischen lebenden Dingen ist für die Erreichung eines nachhaltigen Zustands notwendig. Es bedarf der Arbeit in einem Komplettsystem – ein schützender oder hochleistungsfähiger Ansatz, der darauf abgerichtet ist, unseren Einfluss zu reduzieren UND ein lebendes Systemverständnis, das darauf fokussiert ist, zu lernen, wie man die Natur als gleichwertigen Partner einbringen kann. Der Begriff #132Entwicklung” in seiner wahren Bedeutung unterstützt diese Perspektive: „Die Fähigkeiten oder das Potential herausholen; etwas auf einen fortgeschrittenen oder effektiven Status bringen; etwas generieren oder entwickeln; etwas aufdecken oder enthüllen.” „Entwickeln” bedeutet nicht „besetzen”. Um wahre Nachhaltigkeit zu erreichen, müssen wir uns darauf konzentrieren, unser Bewusstsein, unsere Fähigkeiten und das Potenzial für Leben an den Orten, an denen wir bauen, zu entwickeln. Das ist kein neuer Gedanke oder eine neue Vorgehensweise – sondern nur eine vergessene – im Stich gelassen als Folge reduktionistischen, industriezeitlichen und monokulturistischen Denkens. Das Ergebnis sind zerstörte Naturlandschaften, Lebenssysteme und das Vergessen darüber, wie das Leben an jedem einzigartigen Ort funktioniert. Im Buch „Tending the Wild” von M. Kat Anderson lesen wir,, . . . zeitgenössische Indianer nutzen oft das Wort Wildnis als negative Bezeichnung für Land, das seit langer Zeit nicht mehr durch Menschen gepflegt wurde – zum Beispiel wo dichtes Unterholz oder Dickicht junger Bäume die Sicht und Bewegung einschränken.” Wie Thomas Morton in seinem Tagebuch sagte: „Die Retter sind es gewohnt, das Land zu verbrennen, das sie betreten und sie verbrennen es zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst.” Eine gemeinsame Stimmung bei den kalifornischen Indianern besteht darin, dass ein unintelligenter Ansatz gegenüber der Natur, verwilderte Landschaften, die für Leben unwirtlich sind, vorangetrieben hat. „Der weiße Mann hat ohne Zweifel dieses Land ruiniert”, sagte James Rust, ein Ältester der „Southern Miwok”. „Es hat sich wieder in Wildnis verwandelt.” Die kalifornischen Indianer glauben, dass die Menschen praktisches Wissen über das korrekte Zusammenleben mit der Natur verlieren, wenn sie zu lange von ihr getrennt sind; zwischenzeitlich verlassen Pflanzen und Tiere spirituell gesehen die Erde oder verstecken sich vor den Menschen. Wenn das intime Miteinander verschwindet, wird der kontinuierliche Wissensfluss, der über Generationen weitergegeben wird, unterbrochen und das Land „verwildert”. Als eingeborenes Volk – als Menschen in direktem Zusammenhang mit dem Land, das sie unterstützte, hatten wir dieses Wissen über das lebende System. Wir beginnen nun mit der Wiederfindung – oder der „Erinnerung” – dieses ganzen Lebenssystems an jedem einzigartigen Ort, anstatt einfach Teile dessen abzurufen, was wir gelernt haben. Wir werden dazu aufgefordert, erneut eingeboren zu sein – zu lebenden und beitragenden Ausdrücken eines bestimmten Ortes zu werden.
© iStockphoto.com/Chiyacat Da wir – als eine Kultur – uns fragen wie man „nachhaltig” wird, können wir den Gestaltungsprozess beginnen, indem wir das Leben an jedem einzigartigen Ort, wo wir bauen, verstehen – eine Urart des Bauens. Man kann es mögen oder auch nicht, aber alles was wir bauen engagiert das lebende System wovon es ein Teil ist – egal ob dieses Engagement ungeplant oder unbeabsichtigt ist. Indem wir unser Designkonzept so erweitern, dass dieses Engagement mit in die Gestaltung eingebracht wird, schaffen wir das Potenzial, um nicht nur erhalten zu können, sondern auch um zu regenerieren – etwas zu schaffen, dass zum Wohl und Reichtum des Ortes beiträgt. Drei essentielle Aspekte dienen als Basis für die Schaffung einer regenerativen oder heilenden Beziehung mit einem Ort:
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Hier ist nun also ein Gedanke zum Grübeln; wir haben eine Chance und eine Verpflichtung, unser Denken weiter zu entwickeln und unsere Berufe so auszuüben, dass wir zur Regeneration unseres Planeten beitragen können. Lediglich den Degradierungsprozess zu verlangsamen ist, wenn auch notwendig, nicht ausreichend. Die Wiederherstellung der Widerstandsfähigkeit und des Lebensmusters an jedem Ort ist die andere Hälfte mit der man einen nachhaltigen Zustand erreicht. Tatsächlich ist sie der leichtere und weniger kostspielige Teil, sofern wir nur den Zweck von Design und den Denkprozess in diese Richtung lenken. Diese Art von Arbeit verlangt von uns, dass wir mehr und mehr wie lebende Systeme denken und dass wir einen kompletten Systemansatz und Gestaltungsprozess annehmen, um wahrlich am System des Lebens mitzuwirken. Die Rolle von Architektur und Entwicklung wird dadurch dramatisch bereichert und verbessert. Zudem macht es einfach total viel Spaß. Ähnliche Beiträge: |
