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Angels of Mercy: Die U.S. Marine |
© U.S. Navy foto 30 Tage nachdem das Kaschmir-Erdbeben die abgelegene und bergige Region des von Pakistan geführten Kaschmir traf, humpelte ein verletzter Mann in ein U.S. Notfalllazarett nahe Muzafarrabad, ca. 12 Meilen vom Epizentrum entfernt. Er war den Helikoptern („helos”) der „Angels of Mercy” (so wird die U.S. Marine von den Pakistanis genannt) gefolgt, die täglich unzählige Flüge absolvierten, um Nahrungsmittel, Medizin und Ausrüstung per Luft zu verteilen und gleichzeitig Leute hin– und her in Sicherheit beförderten. „Irgendwie ist er den Berg hinab gestiegen, humpelte rein und an all den anderen Krankenhäusern vorbei, um zu uns zu gelangen. Dieser Mann hatte seit 30 Tagen ein sich verschlimmernden Beinbruch. Unsere Ärzte sahen es sich an und konnten es nicht glauben; sie hatten so etwas noch nie gesehen. Sie nahmen ihn sofort mit zur OP und verbrachten Stunden, um gerade mal seine Knochen zu säubern. Er hat es Gott sei dank geschafft”, sagte Konteradmiral Michael A. LeFever, Kommandeur der Expeditionary Strike Group (ESG) 1 und Kommandeur des Disaster Assistance Center in Pakistan.
© U.S. Navy foto Das Erdbeben von Kaschmir ereignete sich am 8. Oktober 2005 mit einer Stärke von 7,6 auf der Richterskala. Es kostete das Leben von mehr als 75.000 Männern, Frauen und Kindern, während weitere 100.000 verletzt und 3,5 Millionen Menschen in einer der abgeschiedensten und desolatesten Regionen Pakistans obdachlos wurden. „Ich war mit meiner Gruppe innerhalb von 48 Stunden nach dem Erdbeben vor Ort. Wir arbeiteten als ein Team zusammen mit USAID (U.S. Agency for International Development) und anderen U.S. Organisationen unter der Schirmherrschaft des U.S. Botschafters für Pakistan. Wir haben ein Level 2-Lazarett mit medizinischen Kapazitäten, Chirurgieausrüstungen, etc. eingeflogen. Wir sind gelandet und haben mit der pakistanischen Regierung zusammen gearbeitet, um Essen, Ausrüstung und medizinischen Beistand gleich von Anfang an zu liefern. Wir brachten gleich noch ein weiteres Lazarett ein, sowie 125 Ingenieure vom 74. Naval Mobile Construction Battalion (Seabees), die sofort die Straßen räumten, Unterkünfte einrichteten und Schulen bauten”, erklärte LeFever.
© U.S. Navy foto Vor dem Erdbeben gab es in dem Gebiet mehr als 80 pakistanische Gesundheitseinrichtungen, jedoch zerstörte die Katastrophe alle bis auf zwei, die ihren Betrieb kaum fortsetzen konnten. Die Dorfbewohner waren nicht an die Qualität und den Umfang der Amerikanischen Medizinversorgung gewöhnt: „Ich brachte das letzte MASH (Mobile Army Surgical Hospital) rein – das 212er, das dem aus der TV-Serie ähnelt – und wir übergaben es als Teil der Operation. Und ich habe noch ein Navy Marine Corps Hospital aus Okinawa mit dazu gebracht. Wir hatten zwei Chirurgieausrüstungen, 24 Versorgungsbetten für Extremfälle, 36 weitere Operationsbetten, sowie 60 mittlere bis kleine Betten. Ich habe einfach ein „Boston General” Hospital aus dem Boden gestampft, wo man zuvor nicht annähernd etwas Ähnliches hatte”, fuhr LeFever fort.
© U.S. Navy foto Schätzungen zufolge retteten die Bemühungen der U.S. Marine ungefähr eine halbe Million Menschenleben, wenn man die Auswirkungen des Winters mit einbezieht. Sogar ohne Naturkatastrophe sterben jeden Winter tausende von Menschen in dieser rauen und abgeschotteten Region. Zudem kam der Winter in jenem Jahr sehr früh. „Da sich das Beben in einer sehr gebirgigen Region ereignete, hätte es keine Möglichkeiten für medizinische Versorgung und Unterkünfte gegeben. Es war nicht nur medizinische Hilfe, denn wir hatten Medizinkoffer für Erdbebenopfer für ungefähr den ersten Monat, aber dann hatten wir auch Ersthilfe. Daraufhin machten wir mit Beratung und Immunisierung weiter. Mein Gedanke war ‚Oh mein Gott, der erste Schneesturm . . . und die Leute stehen ohne Zuhause da und erfrieren’”, erinnerte sich LeFever. Doch dank der konstruierten Unterkünfte der Seabees und den international generös gespendeten Dächer, sowie dem Abschluss aller Impfungen, war die Sterberate in der Region geringer als je zuvor. Der kooperative Aufwand war ein Riesenerfolg.
© U.S. Navy foto Zusätzlich half die Arbeit der Seabees, zusammen mit der pakistanischen Regierung und anderen internationalen Organisationen, bei der Bereitstellung von sauberem Wasser und Hygiene und verhinderte den Ausbruch von Krankheiten in den Flüchtlingslagern, wo tausende von Menschen lebten. LeFever zufolge verhinderten Hygiene, Impfungen und Gesundheitspflege den Ausbruch von Cholera. „Teil dieser Leben rettenden Erfahrung zu sein war unglaublich. Für mich war es persönlich und professionell gesehen die lohnenswerteste Erfahrung meines Lebens”, erinnerte sich der Konteradmiral mit emotional geladener Stimme.
© U.S. Navy foto Ironischerweise waren viele der Seabees, die während Hurrikan Katrina persönliche Verluste entbehren mussten, gerade dann als Unterstützung zur Stelle, als die Pakistanis diese Zeit durchmachten. „Dieselben Seeleute, die während Katrina ihre Häuser verloren, wurden später in Okinawa eingesetzt. Als das Erdbeben von Pakistan zwei Monate später passierte, riefen wir sie an und schickten sie direkt in die Nähe des Epizentrums. Daher bauten dieselben Jungs und Mädels, die ihre Häuser verloren hatten, wieder die Häuser für die Pakistanis auf. Und hier haben sie das Umfeld noch einmal durchlebt, das sie eben bei Katrina verlassen hatten – ein Fakt, der positiv in der pakistanischen Presse hervorgehoben wurde. Es war sehr emotional”, erinnerte sich LeFever.
© U.S. Navy foto Außerdem schickte das U.S. Militär schwere Helikopter aus der ganzen Welt wegen der hohen Berge des Himalaja und Hindukusch. Einige dieser Armeeangestellten wurden im wahrsten Sinne des Wortes am Tag vorher in Afghanistan noch beschossen. „Sie flogen über den Khyber Pass und beförderten am nächsten Tag bereits Medikamente und Personal in das Gebiet und brachten gleichzeitig Verletzte zurück nach Islamabad. Das demonstriert die außergewöhnlichen Möglichkeiten unserer Armeemänner und –Frauen. Sie sind den einen Tag im Gefecht und gewähren am nächsten Tag lebensnotwendige humanitäre Hilfe”, erzählte LeFever stolz.
© U.S. Navy foto Obwohl die Navy in einer humanitären Mission unterwegs war, erschien die Umwelt potentiell gefährlich. „Das war eins der Dinge, die ich als Kommandeur mit beachtete – das Risiko der Gewalt barg ein Risiko für die gesamte Mission. Wir waren auf humanitärer Mission, die man nicht mit Helm, Pistole und Schutzanzug erfüllen konnte. Wir haben einfach aufgepasst wo wir hingehen”, meinte der Konteradmiral. LeFever fuhr fort, indem er sagte, dass dort, wo sie ihren Einsatz hatten, nie Beunruhigung wegen der Pakistanis herrschte. Er erklärte: „Sie wussten, dass wir dort waren um zu helfen, daher war es fast wie ein Pakt. Anders gesagt, sie kümmerten sich um uns; sie stellten sicher, dass uns nichts passierte. Es war einfach unglaublich . . . Unsere Seabees waren irgendwo in einem Gebirgsdorf und versuchten ein kollabiertes Gebäude zu reparieren, während die dort Ansässigen in den Trümmern ihrer verlorenen Häuser und Besitztümer wühlten. Auf einmal würden sie weglaufen und nach 20 Minuten mit etwas zu essen und Tee für die Seabees zurückkommen, um ihre Dankbarkeit zu zeigen. Es war atemberaubend . . .”
© U.S. Navy foto Konteradmiral LeFever und Vizeadmiral Michael K. Loose, stellvertretender Chef der Marineoperationen für Flottenbereitschaft und –Logistik, sind sich einig, dass das was die humanitären Missionen der U.S. Marine zurücklassen, den größten Einfluss auf die dortigen Menschen hat. „Ob es der Tsunami in Indonesien oder das Erdbeben in Pakistan war, jeder Seemann, der eine eigene Fähigkeit besaß, wendete diese an. Denken Sie an das Image, das von einem Amerikaner zurückbleibt. Nun besteht also der kritische Punkt darin, dass ein oder zwei Jahre später dieses gigantische U.S. Marinehospizschiff zurückkommt und sagt ‚Klopf, klopf. Wir sind da. Wer benötigt medizinischen Beistand?’ Auf einmal stürmen die Menschen die Straßen. In der Zwischenzeit schicken wir Seabees dahin, um zu sagen ‚Lasst uns euch helfen Schulen, Gemeinderäume, Regierungsgebäude und grundlegende Hygieneinfrastrukturen zu errichten. Wir wäre es mit mehr Quellen für eure Familien, euer Vieh und eure Saaten? Was ist mit besserer Hygiene?’ Also heißt es dann plötzlich ‚Wow! Das ist die U.S. Marine!’”, meinte Loose.
© U.S. Navy foto Die U.S. Marine bzw. deren Team ist häufig die erste Antwort der amerikanischen Regierung, da es eine weltweite, nach vorne eingesetzte Gruppe ist, die täglich rund um den Globus agiert, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Ihre „ 110” Fähigkeit wird durch ihre strategische Luft–, Wasser– und Bodeneinsatzfähigkeit verstärkt. LeFever erläuterte: „Die U.S. Marine bzw. deren Team ist wie der Typ von 𠐎”. Denn wir sind weltweit nach vorne eingesetzt; wir können reagieren und stellen diesen unmittelbaren „Rangierbahnhof” dar. Es geht hier um Beziehungen und deren Aufbau und da geht es wiederum um Vertrauen, das man über die Zeit hinweg entwickelt. Denn wie die Strategie der U.S. Marine beschreibt: „Vertrauen kann nicht erzwungen werden.”
© U.S. Navy foto Vizeadmiral Loose fuhr fort: „Wenn man also 110 wählt und das Team der U.S. Marine braucht, sind wir bereit, skalierbar und aufgabenorganisiert. Nehmen Sie einen Kerl wie Mike LeFever und er wird sofort sagen: ‚Folgendes benötige ich: Rampen, Schiffe, ein Hospitalboot, 25 Helikopter, Satellitenkommunikation und einen Bulldozer, um das Rollfeld vom Flughafen zu räumen.’ Und noch etwas: Wir haben unsere ‚Seabees’, die talentierte Konstrukteure sind – Elektriker, Ingenieursgehilfen, Stahlarbeiter, Mechaniker, Bauarbeiter und Bediener. Es ist so als wenn man in die Gewerkschaftshalle geht und sagt ‚Gib mir 10 Zimmermänner, 10 Stahlarbeiter und 5 Frontlader und ich brauche das alles in 10 Minuten.’ Wir können das. Wir machen den Job in kurzer Zeit und ziehen dann wieder ab. Aber die wichtigste Sache ist, dass wir später zurückkommen müssen, um langlebige Beziehungen aufzubauen. Mit anderen Worten sind wir wie der ‚glänzende Ritter’ auf dem weißen Pferd. Das ist allerdings nicht ausreichend, wenn man uns danach nie wieder zu Gesicht bekommt, weil man Vertrauen, Respekt und Freundschaft nicht erzwingen kann. Dasselbe gilt wenn man es aufbaut.”
© U.S. Navy foto Die Marine stellt sicher, dass die „Feuer der Freundschaft” weiter hell brennen dank der engagierten Hospitalboote USNS Mercy und USNS Comfort. Loose erklärte: „Unsere Hospizschiffe Mercy und Comfort haben für uns wahrlich eine Möglichkeit eröffnet, weil sie neutral und nicht aufdringlich sind. Es geht bei ihnen um Mitgefühl. Wir wollen wirklich humanitäre Unterstützung bieten, denn wenn man sich auf globaler Ebene das menschliche Mitgefühl ansieht, ist dies eine Chance für uns ans Licht zu treten. Wenn wir gerufen werden ist es uns wichtig, schnell und umfangreich zu agieren, weil es um Menschenleben geht.”
© U.S. Navy foto Loose merkt an, dass die U.S. Marine aus einer Vielzahl von Gründen nach vorne eingesetzt wird: globale Sicherheit, Frieden, Stabilität und Wirtschaftswachstum als Unterstützung für Amerikas Verteidigung und nationale Sicherheit. „Wir sind ständig auf zwei Dinge fokussiert: Erstens, falls es Krieg geben sollte, tun wir alles, um ihn schnell und entschlossen zu gewinnen, weil unsere Söhne und Töchter auf dem Spiel stehen, sowie Amerikas Freiheit und Sicherheit. Zweitens wollen Amerikaner keinen Krieg. Also müssen wir uns auf Abschreckung konzentrieren – anders gesagt, wir müssen Kriege und Konflikte verhindern – und darum sind wir täglich auf dem ganzen Globus unterwegs.”
© U.S. Navy foto „Was geschieht wenn ein anderes Land ein Desaster erlebt und das amerikanische Militär unmittelbar mit weit reichender, humanitärer Unterstützung reagiert? Auf einmal sagen die Hilfsempfänger ‚Moment mal, die Amerikaner haben die Türklingel gehört und haben einen dramatischen Unterschied erwirkt.’ Und aus der Perspektive unserer engagierten Seeleute ist das die ultimative Erfahrung. Sie werden sich für den Rest ihres Lebens an ihren Beitrag zur Menschlichkeit erinnern. Man sieht das Bild, wenn man nur Mike LeFever zuhört wie er seine Zeit in Pakistan wiedergibt”, fuhr Loose fort. LeFever stimmt Loose zu und glaubt, dass die Fürsorgestrategie der U.S. Marine ein effizientes Mittel zur Konfliktvorsorge ist, sowie auch die Schlüsselformel für weltweite Stabilität, Frieden, Freiheit und Wachstum. LeFever erläuterte: „Aufgrund unserer humanitären Einbindung in anderen Ländern geben wir Menschen Wahlmöglichkeiten. Ich fasse mich kurz: Als wir in Pakistan waren, waren auch von Terroristen gesponserte Organisationen vor Ort. Wir waren um die Ecke von ihnen und lieferten unsere Dienste ohne Haken und genau das haben die Pakistaner realisiert. Manche dieser Organisationen lieferten ebenfalls wunderbare Beiträge, in Bussen und anderen Fahrzeugen, wetteifernd nach demselben ‚Produkt’ – dem Herzen und Geist der Menschen. Unsere Besorgnis galt natürlich der Zukunft dieser Organisationen und ihrem Einfluss auf die dortige Region. Das ist einer der Gründe warum die amerikanische humanitäre Hilfe so wichtig ist. Sie hat einen großen Einfluss auf Menschen, Beziehungen und auf das Verständnis wofür Amerika steht. Wir leben in Partnerschaften für den Frieden durch unsere Schiffe auf der ganzen Welt – im Sudan, der Westküste von Afrika, dem Pazifik, in Südamerika und anderen Ländern. Dieses Engagement ist nun Teil unserer täglichen Routine.”
© U.S. Navy foto Loose ist sehr stolz auf die Marine und ihren Fokus auf nicht nur Amerika, sondern auch auf den Rest der Welt. Er fasste zusammen: „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir nach vorne eingesetzt werden. Wir verbringen jede Minute am Tag da draußen und wir sind ständig startbereit. Wir müssen da draußen sein und wir müssen uns genauso auf das humanitäre Mitgefühl konzentrieren, als auch auf die Kriegsbekämpfung, um bessere Beziehungen und Vertrauen in der Welt zu entwickeln.” „Warum kümmert es Amerika überhaupt? Ich denke es läuft wirklich auf die menschliche Seite eines Amerikaners hinaus. Wir sind ein Land mit viel Segen und wir sind bereit diesen zu teilen, genauso wie unsere Zeit und unseren Eifer. Wir sorgen uns um andere Menschen und ihr Wohlergehen. Die andere Sache innerhalb der Marine und anderer Militärdienste ist, dass man sofort selbstlose Hilfe beigebracht bekommt – anders gesagt, man lernt andere vor das Selbst zu setzen – und lernt aufeinander zu zählen. Ich denke also, es stellt die ultimative Erfahrung dar, einen amerikanischen Seemann zu nehmen und zu sagen ‚Rate mal! Wir gehen morgen nach Pakistan. Du wirst deine Talente und all deine Kraft multiplizieren, sowie auch deine Disziplin und deine Fähigkeiten und du wirst sie bis an deine Grenzen bringen, um Leben zu retten und anderen Mitmenschen zu helfen.’”
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„Wenn du wirklich ein Problem hast oder Hilfe benötigst, dann sind Amerikaner diejenigen, die auftauchen und wirklich einen großen Unterschied machen. Wir wollen, dass Menschen rund um den Globus verstehen wofür wir stehen und genau das ist in Pakistan und Indonesien geschehen. Und das ist das Ziel für das die U.S. Marine mit ihrer Maritimstrategie hart arbeitet. Wir sind viel mehr als Schiffe, U-Boote und Flugzeuge. Unser Haupteinfluss gebührt nie unserer Ausrüstung. Alles was wir tun müssen besteht darin, einen Seemann – Mann oder Frau – los zu lassen und Menschen zu zeigen wer sie sind; und dann heißt es ‚Wow! Das ist dann also Amerika’”, sagte der stolze 3-Sterne-Admiral mit einem Zwinkern und einem Lächeln im Gesicht. Ähnliche Beiträge: |
